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CVD und HPHT: zwei Wege zum selben Kristall
Beide Verfahren erzeugen Diamant, also Kohlenstoff im kubischen Kristallgitter. Sie unterscheiden sich darin, was in die Anlage kommt, wie lange der Kristall wächst und ob er danach behandelt werden muss.
Stand: 8. November 2026. Belege stehen als Ziffern im Text und am Seitenende.
Kurz gesagt
Beim HPHT-Verfahren löst sich Kohlenstoff bei 1.300–1.600 °C und über 870.000 psi in einer Metallschmelze und kristallisiert auf einem Diamantkeim. Beim CVD-Verfahren lagert sich Kohlenstoff aus Methan und Wasserstoff bei etwa 900–1.200 °C Schicht für Schicht auf Keimplatten ab, ein Lauf dauert drei bis vier Wochen. Nach Angaben des GIA waren die meisten farblosen CVD-Steine ursprünglich braun und wurden durch HPHT-Glühen entfärbt.
HPHT: Hochdruck, Hochtemperatur
Ein kleiner Diamantkeim und eine Kohlenstoffquelle, meist Graphit, werden mit einem Lösungsmittel aus Eisen, Nickel oder Kobalt in eine Kapsel gepackt. In einer großen Presse erreicht die Kapsel 1.300 bis 1.600 °C bei über 870.000 psi. Der Kohlenstoff löst sich in der Metallschmelze und kristallisiert über Tage bis Wochen auf dem Keim1.
HPHT-Kristalle zeigen Würfel- und Oktaederflächen. Manche enthalten kleine metallische Einschlüsse aus dem Lösungsmittel und reagieren deshalb schwach auf Magnete12.
CVD: chemische Gasphasenabscheidung
Dünne Diamantkeimplatten liegen in einer Vakuumkammer mit Wasserstoff und einem kohlenstoffhaltigen Gas wie Methan. Mikrowellen zerlegen das Gas in ein Plasma, und Kohlenstoffatome lagern sich bei etwa 900 bis 1.200 °C und niedrigem Druck Schicht für Schicht auf den Keimen ab. Ein Lauf dauert rund drei bis vier Wochen und wird oft unterbrochen, um Nicht-Diamant-Kohlenstoff an den Kanten zu entfernen1.
CVD-Kristalle sind flach und tafelig, ohne Oktaederflächen1.
Vergleich
| HPHT | CVD | |
|---|---|---|
| Ausgangsstoff | Graphit in Metallschmelze | Methan und Wasserstoff |
| Temperatur | 1.300–1.600 °C | etwa 900–1.200 °C |
| Druck | über 870.000 psi | niedrig, in der Vakuumkammer |
| Wachstumsdauer | Tage bis Wochen | etwa 3–4 Wochen |
| Kristallform | Würfel- und Oktaederflächen | flach, tafelig |
| Typische Merkmale | metallische Einschlüsse, kreuzförmiges Fluoreszenzmuster | Wachstumsstreifen, Spannungen |
Nachbehandlung
Laut GIA waren die meisten farblosen CVD-Steine auf dem Markt ursprünglich braun und wurden durch HPHT-Glühen entfärbt1. Eine Behandlung ist kein Mangel, sollte aber offengelegt werden. GIA-Berichte vermerken, dass der Stein Nachbehandlungen zur Farbveränderung enthalten kann3; IGI-Gutachten nennen die Behandlung oder vermerken „As Grown“4.
Wie unterscheiden Labore die Verfahren?
Mit bloßem Auge und mit herkömmlichen Wärmeleittestern ist ein synthetischer Diamant nicht von einem natürlichen zu unterscheiden. Labore nutzen Fluoreszenzbilder: Natürliche Diamanten zeigen konzentrische Wachstumsmuster, HPHT-Steine ein Kreuzmuster und CVD-Steine feine Streifen. Farbzonen, metallische Einschlüsse und Spannungsmuster liefern weitere Hinweise. Das GIA kann in der Regel auch das Zuchtverfahren bestimmen2.
Woher die Steine kommen
Die großen Erzeugerländer sind Indien und China. 2025 hat Indien nach Schätzung des Analysten Edahn Golan rund 8 % mehr Karat erzeugt als China, und nahezu alle synthetischen Diamanten werden in Indien geschliffen5.
Häufige Fragen
Welches Verfahren ist besser?
Kann ich gezielt CVD- oder HPHT-Steine bestellen?
Quellen
- GIA: HPHT and CVD Diamond Growth Processes: Making Lab-Grown Diamonds, 25 Jul 2016.
- GIA: Identifying Lab-Grown Diamonds.
- GIA: GIA Updates Education Materials and Grading Reports for Lab-Grown Diamonds, 29 Mar 2019.
- IGI: Laboratory Grown Diamond Report, sample report LG726534467, 16 Sep 2025.
- JCK (Edahn Golan Diamond Research & Data): Lab-Grown Diamond Jewelry Sales Hit $23.8 Billion, 3 Nov 2026. Analyst estimate.